Alle auf einen Streich

Die deutschen Bewerberstädte in Berlin

Acht deutsche Städte sind aktuell im Rennen. Acht deutsche Städte, die ein gemeinsames Ziel haben: Kulturhauptstadt Europas 2025 werden. Mitte Oktober hatte die Kulturstiftung der Länder nach Berlin geladen, um mit den deutschen Bewerberstädten über Herausforderungen und Chancen einer Bewerbung zu diskutieren und von Experten zu erfahren, wie Europäische Kultur erlebbar gestaltet werden kann. Das Bewerbungsbüro Magdeburg 2025 war dabei.

(c)Sebastian Semmer

Ab heute sind es noch 332 Tage bis zur Abgabe des ersten Bewerbungsbuches. Dieses Buch – an dieser Stelle war es schon oft Thema – wird das Konzept jeder Stadt beinhalten, die sich um den Titel Kulturhauptstadt Europas 2025 bewerben will. Aktuell sind die Städte Chemnitz, Dresden, Gera, Hannover, Hildesheim, Nürnberg und Zittau – und klar, Magdeburg – im Bewerberpool. Vertreter dieser Städte haben sich nun in Berlin getroffen, ausgetauscht und sich bei einem sogenannten „Städte Sneak Peek“, einer Präsentationsrunde im Pecha Kucha-Format mit 15 Bildern samt Erläuterungen vorgestellt.

Jetzt brennt es natürlich auf den Nägeln: Wer hat die besten Chancen und wer wird es bloß werden? Fragen, die erst 2020 endgültig beantwortet werden können.

Teilnahme ist ein Gewinn

Fest steht, dass alle Städte dieselben Startbedingungen haben. Das reglementierte Auswahlverfahren der EU gilt als Grundlage für alle. Jede Stadt hat ihre Geschichte, ihre Herausforderungen und Potenziale, ihre schönen Seiten und die, die sie lieber vergessen würde. Den Titel „Kulturhauptstadt Europas“ zu erhalten ist eine Chance, um die Gegenwart zu analysieren und eine kluge, nachhaltige Zukunft zu gestalten. „Einige Städte haben sich bereits in die Startlöcher gestellt, jedoch fällt heute keine Vorentscheidung. Ab jetzt beginnt ein wichtiger Weg für die Vorbereitung der jeweiligen Bewerbungen und jede Stadt nutzt diese Chance, um ihr internationales Profil zu stärken“, eröffnet Frau Dr. Stefanie Hubig, Vizepräsidentin der Kultusministerkonferenz und Staatsministerin in Rheinland-Pfalz, ihre Rede. Klar wird, dass die Teilnahme an diesem Wettbewerb für jede Stadt ein Gewinn ist, auch ohne am Ende auf einer „Shortlist“ zu landen. Bedeutet: Die kritische Selbstreflexion der eigenen Stadt kann nur dazu führen, eine nachhaltige und kluge Vision zu entwickeln. Und das ist auch ohne Kulturhauptstadttitel wertvoll.  

Die Experten wissen‘s

„Kulturhauptstadt ist ein langfristiges Stadtentwicklungsprojekt“, betont Prof. Dr. Ulrich Fuchs, der Ratschläge und Empfehlungen aus Sicht der EU-Jury vermittelt. Er muss es wissen: Noch bis Ende des Jahres ist er Vorsitzender der EU-Auswahlkommission für Europäische Kulturhauptstädte. Er bekräftigt mehrfach, dass es im kommenden Jahr die größte Aufgabe jeder Stadt sei, ein glaubwürdiges Konzept zu erstellen. Für konkrete Projekte müsse man sich bis zur Phase danach gedulden. Und auch Sylvain Pasqua, Teamleiter für das Projekt Europäische Kulturhauptstädte für die Europäische Kommission in Brüssel, bestärkt diese Aussage: „Für das Titeljahr 2025 ist das Konzept im Bewerbungsbuch das Wichtigste.“

Kulturhauptstadt Europas. 1000 Argumente

Nicht ganz 1000, dafür aber schlagkräftige Argumente hat Prof. Dr. Elisabeth Leitner, Projektleiterin der Diskussionsplattform kulturhauptstadt2024.at in Österreich sowie Studiengangsleiterin Architektur an der Fachhochschule Kärnten: Kulturhauptstadt sei ein langjähriger Prozess und kein Jahresprojekt. Kulturhauptstadt müsse weh tun, sonst verändert sich nichts. Kulturhauptstadt dürfe kein Nachahmungsversuch bisheriger Kulturhauptstädte sein, sondern müsse den ganz eigenen Weg finden. Kulturhauptstadt solle sich nicht nur präsentieren, sondern hinterfragen und neu erschaffen. Kulturhauptstadt müsse etwas schaffen, wovon Europa und die Welt Notiz nehmen – ansonsten wird sie nur irgendeine Kulturhauptstadt gewesen sein. Prof. Leitners abschließenden Thesen, die sich an alle Bewerber gleichermaßen richteten, ist nichts hinzuzufügen.

Zurück in die Stadt

Mit den Eindrücken und Erfahrungen aus Vorträgen, Podiumsdiskussionen und informellen Gesprächen miteinander sowie mit Akteuren der Europäischen Kommission, bereits gekürter Kulturhauptstädte wie dem griechischen Eleusis (2021) und dem litauischen Kaunas (2022) und unabhängigen Kulturhauptstadt-Experten sind die Teams aller deutscher Bewerberstädte mittlerweile wieder im Heimathafen angekommen. Entschieden wurde in Berlin noch nichts. Das Treffen war ein Auftakt – damit alle Bewerberstädte unter denselben Startbedingungen ins Rennen starten können. Alle Städte sind titelwürdig – und werden die Chancen, die die Bewerbung bietet, engagiert nutzen.

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Vertreter der deutschen Bewerberstädte Chemnitz, Dresden, Gera, Hannover, Hildesheim, Nürnberg, Zittau und Magdeburg. (c)Sebastian Semmer

Projektmanagerin Kerstin Hartinger und Tamás Szalay, Leiter des Bewerbungsbüros Magdeburg 2025 bei der Magdeburger Präsentation im Europäischen Haus Berlin. (c)Sebastian Semmer

Kulturhauptstadt Europas. 1000 Argumente: Prof. Dr. Elisabeth Leitner, Projektleiterin der Diskussionsplattform kulturhauptstadt2024.at in Österreich sowie Studiengangsleiterin Architektur an der Fachhochschule Kärnten (c)Sebastian Semmer

Kulturhauptstädte im Gespräch: (v.l.n.r.) Kelly Diapouli, künstlerische Direktion für Eleusis 2021, Sylvain Pasqua, Teamleiter für das Projekt Europäische Kulturhauptstädte für die Europäische Kommission in Brüssel, Moderator Prof. Dr. Frank Druffner, stellv. Generalsekretär der Kulturstiftung der Länder und Ana Čizauskienė, Leiterin Internationales und Programm für Kaunas 2022 im Gespräch. (c)Sebastian Semmer

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