Baby-Boomer und digital natives

Anregungen und Wünsche des Seniorenbeirats der Landeshauptstadt

Wie kommt die Generation „Baby-Boomer“, jene, die direkt nach dem zweiten Weltkrieg geboren wurden, mit der „Generation Y“, den zwischen 1980 und 2000 Geborenen, oder gar der „Generation Z“, den Jahrgängen seit 2000, in Magdeburg zusammen? Ein Ansatz wären generationsübergreifende Begegnungsorte und Projekte. Themen, die auch im Bewerbungsprozess als Kulturhauptstadt Europas Magdeburg 2025 eine wichtige Rolle einnehmen.

KUBUS-Gespräch mit Seniorenbeiratsmitgliedern Gudrun Kaminski und Brigitte Otte, Michael Bremer, Mitglied der Arbeitsgruppe Seniorenbeirat und Student ab 50 an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg sowie Hugo Boeck, Vorsitzender Verein Denkmal Magdeburger Recht sowie Mitglied beim Stadtrat Magdeburg (c)Felix Paulin

KUBUS-Gespräch mit Seniorenbeiratsmitgliedern Gudrun Kaminski und Brigitte Otte, Michael Bremer, Mitglied der Arbeitsgruppe Seniorenbeirat und Student ab 50 an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg sowie Hugo Boeck, Vorsitzender Verein Denkmal Magdeburger Recht sowie Mitglied beim Stadtrat Magdeburg.

65 das neue 55? 

Demografen und Altersforscher sagen, 65 sei das neue 55. Die 65-Jährigen sind heute in großer Zahl auf Elektrorädern unterwegs, studieren an der Universität, reisen durch Europa und nehmen aktiv am Leben teil. Laut aktuellen Statistiken sind knapp ein Viertel der Magdeburger älter als 65, Tendenz steigend. Grund genug, die Stadt noch lebenswerter für sie zu gestalten. Strategien dafür zu finden, ist eine wichtige Aufgabe im Bewerbungsprozess um den Titel Kulturhauptstadt Europas 2025. Das Bewerbungsbüro hatte darum Anfang Juli diejenigen an einen Tisch geholt, die wissen müssen, was die Baby-Boomer bewegt: Vertreter und Vertreterinnen des Seniorenbeirats der Landeshauptstadt Magdeburg.

Dialog der Generationen

Der Seniorenbeirat ist eine wichtige Anlaufstelle für die etwa 63.000 Seniorinnen und Senioren der Stadt Magdeburg. Er dient als Bindeglied für die älter werdenden Bürgerinnen und Bürger. Hier werden sie in allen sie betreffenden Fragen, Wünschen und Problemen beraten.

Aktiv wollen fast alle der Generation 60+ sein, solang es die Mobilität und Gesundheit noch zulässt. Aber auch mit jüngeren Menschen in Kontakt zu kommen, neue Technologien zu verstehen und die Stadt in ihrer Vielfalt zu erleben seien große Wünsche, erzählt Brigitte Otte, 67 Jahre alt und gebürtige Magdeburgerin. Zwar gäbe es großartige Senioreneinrichtungen wie die Altenservice-Center, so Otte: „In Ostelbien haben wir für die Kultur zum Beispiel das Altenservice-Center. Da kann Jedermann täglich hingehen. Es bietet alles von der Gymnastik über den Computerkurs, Handarbeiten und Kaffeetrinken bis hin zum und Feten Feiern.“ Aber genügt das? Wäre, um die Generationen zusammen zu bringen, nicht eher an Mehrgenerationenhäuser zu denken, in denen Alt und Jung zusammenkommen, gemeinsam lernen oder feiern – und damit ein ganz neuer Austausch von und über Kultur stattfindet? Schließlich gibt es eine ganze Menge, was die Digital Natives vom reichen Erfahrungsschatz der Baby-Boomer lernen können. Und müsste, angesichts der zahlreichen aktiven Senioren, das Konzept des „Alterns“ nicht ganz neu gedacht werden?

Die Bewerbung zur Kulturhauptstadt Europas kann und muss auf die Wünsche der Senioren reagieren. Das sei dem Bewerbungsbüro unbedingt bewusst: Man habe zwar noch keine endgültige Lösung für diese Herausforderungen gefunden, heißt es von dort, aber die Themen „Älter werdende Gesellschaft“, „Intergeneratives Lernen“ und „Zugang zu Kultur für alle Generationen“ stünden definitiv im Fokus der Programmentwicklung.

Zugang zur Kultur

Ein gutes Stichwort, meint die 64-jährige Gudrun Kaminski vom Seniorenbeirat: „Ein älterer Mensch plant gern voraus. Die Kommunikation über Veranstaltungen sollte nicht nur im Internet passieren, oder einen Tag vorher in der Zeitung stehen - so flexibel sind Ältere oft nicht mehr“. Stichwort Transparenz und Barrierefreiheit. Zur Barrierefreiheit gehören eben nicht nur bauliche Anlagen und leicht zugängliche Verkehrsmittel, sondern auch die Nutzerfreundlichkeit akustischer und visueller Informationsquellen, Dienstleistungen und Freizeitangebote. Entsprechende Projektmaßnahmen wie der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, die Verwendung leichter Sprache statt komplizierter Amtssprache sowie verständliche Internetseiten, die jeder nutzen kann, sollten auch im Zuge des Bewerbungsprozesses Magdeburg 2025 auf dem Plan stehen. Hinzu kommen Weiterbildungsangebote für ältere Menschen, z.B. auf dem Gebiet der modernen Technik – vielleicht geleitet von den Digital Natives?

Kultur für jeden

„Die Magdeburger haben Lust Neues und Altes zu entdecken“, betont Gudrun Kaminski. Wie aber Kultur erleben, wenn man es sich nicht leisten kann? „Es gibt am Theater zum Beispiel keine Ermäßigung für Senioren, außer für diejenigen, die den Magdeburg-Pass haben. Nach der Wende sind die Menschen zum Beispiel gar nicht erst ins Theater gegangen, weil sie sich die Eintrittskarten nicht leisten konnten. Das ist aber heute auch noch oft so, schließlich leben viele von der Mindestrente!“, ergänzt Brigitte Otte. Um Kultur für Jeden erlebbar zu machen, sollte es nicht an den Eintrittspreisen scheitern – ein weiterer dringender Wunsch an die Kulturhauptstadt-Bewerbung.

Das Bewerbungsbüro Magdeburg 2025 hat den Senioren aufmerksam zugehört und brütet jetzt darüber, wie die Bedürfnisse der Baby-Boomer im Konzept zur Geltung kommen können. Klar ist: Die Magdeburger Senioren unterstützen die Bewerbung. „Die Magdeburger sind stolz darauf, was sie nach der Wende erschaffen haben“, sagt Hugo Boeck, Vorsitzender des Vereins Denkmal Magdeburger Recht. Das können sie auch – die jungen wie die älteren. Und sie dürfen es gern gemeinsam ganz Europa zeigen.

 

KUBUS-Gespräch mit Seniorenbeiratsmitgliedern Gudrun Kaminski und Brigitte Otte, Michael Bremer, Mitglied der Arbeitsgruppe Seniorenbeirat und Student ab 50 an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg sowie Hugo Boeck, Vorsitzender Verein Denkmal Magdeburger Recht sowie Mitglied beim Stadtrat Magdeburg (c)Felix Paulin

KUBUS-Gespräch mit Seniorenbeiratsmitgliedern Gudrun Kaminski und Brigitte Otte, Michael Bremer, Mitglied der Arbeitsgruppe Seniorenbeirat und Student ab 50 an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg sowie Hugo Boeck, Vorsitzender Verein Denkmal Magdeburger Recht sowie Mitglied beim Stadtrat Magdeburg (c)Felix Paulin