Börde, Food und Esskultur

Gesunde Nahrung, eine Landwirtschaft mit blühenden Wiesen und glücklichen Tieren, Tomaten im Winter und alles so günstig wie möglich. Das Wissen um die enge Verbindung von Erzeugung, Handel und Verbrauch von Lebensmitteln ist verlorengegangen. Es spielt oft keine Rolle beim schnellen Griff nach den billigsten Waren im Supermarktregal. So ist es auch in Magdeburg, das einst mit der Landwirtschaft in der Börde groß geworden ist.

Kulturgespräch im Mai 2019 (c)Matthias Sasse

Zwei Macher berichten

Emmanuel Ostmeier, Landwirt vom Gut Glüsig, welches Ökolandbau mit sozialen Beschäftigungsprojekten verbindet, berichtete vom enormen Verantwortungsdruck, der auf allen Erzeugern liegt. Heutige Agrarproduktion soll nachhaltig sein und dem Klimawandel entgegenwirken. Für die ökologische Landwirtschaft ist das Grundsatz. Sie ist jedoch arbeitsintensiver, bedeutet oft geringere Erträge und kann erst nach einer längeren Umstellungsphase auf höhere Bio-Preise setzen. EU-Förderungen unterstützen die regional und nachhaltig arbeitenden Höfe nicht in vergleichbaren Dimensionen wie die konventionellen Großbetriebe. Gleichzeitig drücken die Handelsketten als Großabnehmer die Preise, selbst im Biosegment.

Deutsche Konsumenten geben heute durchschnittlich weitaus weniger Geld für gutes Essen aus als noch vor fünfzig Jahren oder in anderen Ländern. Das stellte Julia Wendenkampf aus eigener Erfahrung fest, eine der Betreiberinnen von LoMa+Bioabendmarkt der Biohöfegemeinschaft. Ehrenamtlich organisieren sie den Abendmarkt am Schellheimer Platz. Durch den direkten Kontakt von Verbrauchern und Erzeugern macht dieser Markt erlebbar, wie alles zusammenhängt. Noch findet er alle zwei Monate nur in Stadtfeld statt, aber er könnte auch zur Belebung der Innenstadt beitragen.

Beide Vertreter der Biolandwirtschaft erzählten von großen und nicht zuletzt regulatorischen Hürden im Arbeitsalltag, die Konsumenten selten bekannt sind. Für Sorgen und Nöte der Herstellungsbetriebe  muss es direkte Unterstützung seitens der Politik und Verwaltung geben. Die Kulturhauptstadtbewerbung kann hierauf nicht einwirken, aber auf kreativem Wege auf die Problemlage aufmerksam machen und so ein Bewusstsein für die eigene Kaufentscheidung schaffen.

Ohne Bildung, kein Verständnis für neue Wege

Udo Herrmann vom Landesumweltministerium, Referat Nachhaltigkeit und Förderangelegenheiten stellte das UNESCO-Weltaktionsprogramm „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (BNE) am Abend vor. Durch dieses Programm soll das Bewusstsein für das eigene Handeln geweckt werden: Was wird eingekauft und gegessen, welche Fortbewegung wird genutzt oder wie wird Energie verbraucht.

Der fast schon inflationär genutzte Begriff der Nachhaltigkeit hat sich inzwischen weiterentwickelt. Ursprünglich aus der Forstwirtschaft kommend – „Fälle nur so viel Holz, wie nachwachsen kann“ –umfasst er heute Ökologie, Ökonomie und Soziales gleichermaßen. Die Vereinten Nationen haben im Herbst 2015 siebzehn Ziele nachhaltiger Entwicklung für die gesamte Staatengemeinschaft verabschiedet. Sie reichen von der Bekämpfung der Armut, über den Schutz der Meere, bezahlbare und nachhaltige Energieversorgung für alle oder eben auch den Schutz der Landökosysteme mit Wäldern, Böden und biologischer Vielfalt. Das Land Sachsen-Anhalt ist gefragt, geeignete Maßnahmen für deren Umsetzung zu ergreifen. Die Koalition ringt um ein Handlungskonzept.

Bei der Veranstaltung hoben etliche Gäste hervor, dass es auch mit vielen kleinen Maßnahmen und mit praktischer Bildung zu tun habe, um eine breite Akzeptanz für den nötigen Umbau erzielen zu können. Es wurden Beispiele genannt wie gesunde Kitaverpflegung, fußläufig erreichbare Schulgärten oder auch eine nachhaltige Vergabe im öffentlichen Sektor von Druckerpapier bis zu Dienstfahrzeugen.

Für eine bessere Esskultur

„Der Zugang zu Wasser, Nahrung und gesundem Leben für alle Menschen wird maßgeblich unsere Zukunft prägen“, resümierte Frank Salender vom Studiokino Magdeburg. Die Kulturhauptstadt kann hier kreative Impulse setzen, um auch diese gesellschaftliche Notwendigkeit neu zu beleuchten. Gemeinsames Fazit des Abends war, dass unsere gelebte Ess-Kultur eine neue, verantwortungsvollere und zugleich auch genussvollere Ebene braucht.

Kulturgespräch im Mai 2019 (c)Matthias Sasse

Kulturgespräch im Mai 2019 (c)Matthias Sasse

Kulturgespräch im Mai 2019 (c)Matthias Sasse

Kulturgespräch im Mai 2019 (c)Matthias Sasse

Kulturgespräch im Mai 2019 (c)Matthias Sasse

Kulturgespräch im Mai 2019 (c)Matthias Sasse

Kulturgespräch im Mai 2019 (c)Matthias Sasse

Kulturgespräch im Mai 2019 (c)Matthias Sasse

Kulturgespräch im Mai 2019 (c)Matthias Sasse

Kulturgespräch im Mai 2019 (c)Matthias Sasse