Neue Verhältnisse

Rückblick auf das Kulturgespräch im April

Kulturgespräch im KUBUS 2025 im April 2019 (c)Matthias Sasse

Was tun wir, wenn wir einen Menschen zum ersten Mal sehen? Studien besagen, dass wir im Bruchteil einer Sekunde eine Unterscheidung treffen. Eine Unterscheidung, ob dieser Mensch dem männlichen oder weiblichen Geschlecht zuzuordnen ist. Ist eine Zuordnung nicht auf Anhieb möglich, sind wir irritiert. In diesem Moment der Irritation liegt das Potenzial, über gängige Rollenbilder eines binären Geschlechtersystems und seinen politischen und sozialen Folgen nachzudenken und sie in Frage zu stellen.

Beim letzten Kulturgespräch im KUBUS 2025 nahmen Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft teil und stellten jeweils die weißen Flecken dar, die es aus ihrer Perspektive auf diesem Weg weiterhin zu bearbeiten, zu diskutieren und zu verändern gilt.

Die Geschichte neu schreiben

Heike Ponitka, Gleichstellungsbeauftragte der Landeshauptstadt Magdeburg, benennt Felder, in denen zurzeit viel Aufarbeitung geleistet wird. Die Geschichtsschreibung marginalisiert die Bedeutung von Frauen in den kulturellen, sozialen und politischen Bereichen und es bedarf einen expliziten Blick, um diese Akteurinnen nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Denn anhand ihres damaligen Wirkens können auch für heute vielfältigere Rollenangebote für Frauen abgeleitet werden. Insbesondere gilt es auch auf Landesebene diese Geschichten aufzuarbeiten, wie zum Beispiel die Geschichte des Bauhauses, die immer noch stark mit den männlichen Protagonisten verknüpft ist.

Die Hälfte der Welt gehört uns

Aber auch gegenwärtig gibt es weiterhin Handlungsbedarf. In dem aktuell 56 Plätze umfassenden Stadtrat sind nur 12 Plätze mit Frauen besetzt. Diese Zusammensetzung bildet einen gesamtdeutschen Trend ab. Zwar feiern wir in diesem Jahr das 100-jährige Bestehen des Frauenwahlrechts, doch der Weg in die Politik wird Frauen weiterhin erschwert. Politik ist aber nur ein Arbeitsfeld von vielen in den Frauen noch immer, trotz bester Qualifikationen, eine marginale Rolle spielen.

Um Frauen als Unternehmensgründerinnen in Sachsen-Anhalt zu unterstützen, bietet Marianna Ackermann „Business Woman Bar Camps“ an. Was in anderen Bereichen, wie zum Beispiel der Wissenschaft, bereits etabliert ist - nämlich Frauen-Netzwerke zu bilden, ist in der freien Wirtschaft noch ein Novum. Erfahrungen auszutauschen und sich gegenseitig zu unterstützen ist definitiv keine Schwäche, sondern eine Stärke und gereicht zum Vorteil.

Queere Kulturen

Hier setzt die Diskussion ein, ob die Wesenszuschreibungen an das weibliche und männliche Geschlecht ein produktives und kritisches Nachdenken über die Veränderung der Geschlechterverhältnisse nicht einschränken.  Müssen nicht vielmehr die Strukturen und damit zum Beispiel auch Arbeitskulturen hinterfragt werden?

Falco Jentsch vom CSD Magdeburg e.V. begibt sich mit seinen Vereinskolleginnen und -kollegen und dem Projekt „Queer Magdeburg – Eine Stadt im Wandel der Zeit“ auf die Suche nach dem historischen queeren Leben in Magdeburg und organisiert zudem über das ganze Jahr Aktionen gegen Homophobie. Noch immer sei die Diskriminierung von homo-, bi- oder transsexuellen Menschen allgegenwärtig, sei es zum Beispiel am Arbeitsplatz oder im Sport.

Aber auch diese Kategorisierungen werden zunehmend in Frage gestellt. Vielmehr stehen jetzt fluide und übergreifende Konzepte von Sexualität und Geschlechtsidentität zur Verfügung, wie zum Beispiel die Pansexualität, in der sowohl das biologische Geschlecht als auch die Geschlechtsidentität kein entscheidendes Moment sind. Aber es bleibt nicht eine Frage der Natur, sondern der Kultur, ob diese Formen gleichberechtigter und akzeptierter Bestandteil einer Gesellschaft sind.

Zusammenfassung: Je mehr Vielfalt wir in der Gesellschaft im Kopf ermöglichen als auch mit (familienfreundlichen) Strukturen, umso weniger spielen die eigentlichen Geschlechter eine Rolle in unserem alltäglichen Zusammenleben!

Kulturgespräch im KUBUS 2025 im April 2019 (c)Matthias Sasse

Kulturgespräch im KUBUS 2025 im April 2019 (c)Matthias Sasse

Kulturgespräch im KUBUS 2025 im April 2019 (c)Matthias Sasse

Kulturgespräch im KUBUS 2025 im April 2019 (c)Matthias Sasse

Kulturgespräch im KUBUS 2025 im April 2019 (c)Matthias Sasse

Kulturgespräch im KUBUS 2025 im April 2019 (c)Matthias Sasse

Kulturgespräch im KUBUS 2025 im April 2019 (c)Matthias Sasse

Kulturgespräch im KUBUS 2025 im April 2019 (c)Matthias Sasse

Kulturgespräch im KUBUS 2025 im April 2019 (c)Matthias Sasse

Kulturgespräch im KUBUS 2025 im April 2019 (c)Matthias Sasse

Kulturgespräch im KUBUS 2025 im April 2019 (c)Matthias Sasse

Kulturgespräch im KUBUS 2025 im April 2019 (c)Matthias Sasse

Kulturgespräch im KUBUS 2025 im April 2019 (c)Matthias Sasse

Kulturgespräch im KUBUS 2025 im April 2019 (c)Matthias Sasse

Kulturgespräch im KUBUS 2025 im April 2019 (c)Matthias Sasse

Kulturgespräch im KUBUS 2025 im April 2019 (c)Matthias Sasse

Kulturgespräch im KUBUS 2025 im April 2019 (c)Matthias Sasse

Kulturgespräch im KUBUS 2025 im April 2019 (c)Matthias Sasse

Kulturgespräch im KUBUS 2025 im April 2019 (c)Matthias Sasse