Sport frei!

Beim Kulturgespräch #MD2025 Anfang Oktober wurde über die Schnittstellen von Sport und Kultur in Magdeburg diskutiert.

Ist Sport Kultur? Darüber lässt sich trefflich streiten, wie der Abend des 9. Oktobers bewies. Da nämlich hatte das Kulturhauptstadt-Büro zum Kulturgespräch #MD2025 über Sport in Magdeburg in den KUBUS 2025 eingeladen.

Kulturgespräch #MD2025 zum Thema Sport. Über Schnittstellen von Sport und Kultur in Magdeburg wurde heiß diskutiert. (c)Matthias Sasse

Eine große Anzahl von Akteuren aus der vielfältigen Sportszene Magdeburgs – darunter auch Vertreter des 1. FCM, des Olympiastützpunktes Sachsen-Anhalt, des LandesSportBunds, des SCM, des Fanprojektes Magdeburg und zahlreicher Vereine – sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger waren der Einladung zum Austausch gefolgt.

Sport übernimmt Verantwortung

Für das Kulturhauptstadt-Büro: Natürlich ist Sport Kultur! Kultur umfasst alle Formen des Zusammenlebens, erläuterte Uta Belkius, die die Diskussion leitete, den breitgefassten Kulturbegriff des Bewerbungsbüros. „Wie wir offen, lebendig, fair und mit Freude miteinander leben und umgehen, das kann Sport oft besser transportieren als tausend Worte.“

„Sport hat eine gesellschaftliche Verantwortung“, betonte auch Fabian Sieber vom LandesSportBund Sachsen-Anhalt e.V. Gerade im ländlichen Bereich bilden Sportvereine eine der letzten verbliebenen Strukturen sozialen Austauschs: „Oft ist das Vereinsheim der einzige Ort in einer Gemeinde, an dem man sich nach Feierabend treffen kann.“ Diese Möglichkeiten der Begegnung zu erhalten, sei immens wichtig. In der Stadt dagegen seien Sportvereine vor allem Orte des sozialen Lernens: Im gemeinsamen Spiel oder Wettkampf vermitteln sich wie nebenbei Werte wie Toleranz, Fair Play und Respekt.

„Sport verfügt über ein großes Potential, diese Werte weiterzugeben. Das Ideal einer demokratischen Kultur im Sport ist die gleichberechtigte Teilhabe aller“, bestätigte auch Jennifer Schröder, welche das Projekt „MuT – Menschlichkeit und Toleranz im Sport“ des Landessportbundes Sachsen-Anhalt e.V. betreut. Wo diese Werte verletzt werden, wo aus sportlichem Ehrgeiz Gewalt oder Diskriminierung werden, bietet MuT den Vereinen kompetente Hilfe.

Wie herausfordernd es ist, sportlichen Ehrgeiz und radikale Anhängerschaft in konstruktive Bahnen zu lenken, weiß auch Jens Janeck, der mit dem Fanprojekt Magdeburg seit Jahren Jugendliche aus der Fanszene des 1. FC Magdeburg in schwierigen Lebenssituationen begleitet und darüber berichtete.
 

Versteckte Vielseitigkeit

Sport ist „nebenbei“ eben auch Übungsfeld von Demokratie und Toleranz – so will es auch das Kulturhauptstadt-Büro verstanden wissen. Doch nicht nur das: Dass gerade in Magdeburg die Stadtidentität eng mit dem Sport verbunden ist, hat nicht nur der Aufstieg des 1. FCM gezeigt. Denn Fußball ist bedeutet natürlich längst nicht alles.

Sportwissenschaftler Dr. Michael Thomas von der Otto-von-Guericke-Universität bescheinigte Magdeburg z.B. eine außerordentlich vielseitige Sporttradition, deren Wurzeln bis ins Mittelalter zurückreichen. So wusste er unter anderem zu berichten, dass junge Magdeburger um 1280 das erste Bürgerturnier auf deutschem Boden durchführten, das sogenannte Gralsturnier. Auch die erste Schwimmhalle auf europäischem Festland seit der Antike wurde hier Jahrhunderte später, im Jahr 1830, gebaut.

Durch das Wissen der Diskutanten wurde im Kulturgespräch schnell deutlich: Auch heute ist die Sportszene Magdeburgs nicht nur ungeheuer vielfältig, sondern bietet sogar einige Superlative. So ist die Magdeburger Weitspringerin Lea-Jasmin Riecke gerade zur bundesweiten Juniorsportlerin des Jahres 2018 gewählt worden. Die „Schachzwerge“ sind Deutschlands zweitgrößter Schachverein. Jährlich findet in Magdeburg das Down-Sport-Fest statt. Und der Cricket Club Magdeburg gewann gerade erst den CCM Cup Sachsen-Anhalt. Doch längst nicht alle MagdeburgerInnen hörten bisher von alldem.

Herausforderungen für die Kulturhauptstadt-Bewerbung

Angesichts dieser mitunter für manche versteckten Vielfalt sei es deshalb besonders wichtig, dem Breitensport – der selbstverständlich auch den Behindertensport einschließt – in Magdeburg „einen ganz großen Aufschlag“ zu geben, betont auch Helmut Kurrat, Leiter des Olympiastützpunkts Sachsen-Anhalt.

Für die Bewerbung zur Kulturhauptstadt Europas gilt es nun, aus dieser Gemengelage kreative Projekte zu entwickeln. Wie wäre es z.B. mit einer Langen Nacht des Sports nach dem Vorbild der erfolgreichen Langen Nacht der Wissenschaft? Oder wie mit einem Tag des Sportes, an dem sich bekannte und unbekannte Vereine an ungewöhnlichen Orten auch mitten in der Stadt präsentieren und zu Sport und Spiel einladen?

Der Möglichkeiten gibt es viele. Die Kulturhauptstadt-Bewerbung kann helfen, sie zu realisieren. Das vergangene Kulturgespräch war ein gelungener Auftakt dazu. Mehrere Akteure bekundeten nicht nur Interesse der Zusammenarbeit, sondern arbeiten bereits an konkreten Ideen.

Kulturgespräch #MD2025 zum Thema Sport. Über Schnittstellen von Sport und Kultur in Magdeburg wurde heiß diskutiert. (c)Matthias Sasse

Kulturgespräch #MD2025 zum Thema Sport. Über Schnittstellen von Sport und Kultur in Magdeburg wurde heiß diskutiert. (c)Matthias Sasse

Kulturgespräch #MD2025 zum Thema Sport. Über Schnittstellen von Sport und Kultur in Magdeburg wurde heiß diskutiert. (c)Matthias Sasse

Kulturgespräch #MD2025 zum Thema Sport. Über Schnittstellen von Sport und Kultur in Magdeburg wurde heiß diskutiert. (c)Matthias Sasse

Kulturgespräch #MD2025 zum Thema Sport. Über Schnittstellen von Sport und Kultur in Magdeburg wurde heiß diskutiert. (c)Matthias Sasse

(c)Matthias Sasse

(c)Matthias Sasse