Vielfältiges Handeln

Das erste Kulturgespräch des Jahres im KUBUS zum Thema Gemeinwesenarbeit

Was für gewöhnlich kilometerweit voneinander entfernt ist, sitzt während des Kulturgesprächs nebeneinander an einem großen Tisch: Westerhüsen, Stadtfeld Ost und Stadtfeld West, Neu Olvenstedt, Altstadt, Alte Neustadt und Neue Neustadt, Sudenburg, Diesdorf, Ostelbien, Buckau, Hopfengarten und die Universität.

Die Sprecherinnen und Sprecher der Gemeinwesenarbeit der Stadtteile sind in den Kubus 2025 gekommen, um sich über ihre Erfahrungen und Wünsche für die Zukunft beim Kulturgespräch auszutauschen.

Gemeinsame Arbeit in den Stadtteilen

Die Gemeinwesenarbeit – kurz GWA – ist in den einzelnen Stadtteilen Magdeburgs ein integraler Bestandteil des sozialens Lebens. Sie steht für ein engagiertes Miteinander, um Probleme anzugehen und nachhaltige Lösungen zu entwickeln. Da sowohl soziale, kulturelle und ökonomische Aspekte eine Rolle spielen, ist diese Arbeit eine Querschnittsaufgabe. Das ist das Spannende an dieser Aufgabe aber gleichzeitig auch das Schwierige. Denn Gemeinwesenarbeit ist ein Ehrenamt und neben finanziellen Ressourcen fehlt es vor allem an Zeit, um den Menschen helfend beizustehen, sei es bei Behördenanliegen oder sozialen Problemen. Ziel ist es, das Bewusstsein der Bewohnerinnen und Bewohner zu stärken, um Missstände selbsttätig und gemeinsam anzugehen, damit sich die Lebensqualität in der Nachbarschaft verbessert.

Unterstützung ist gefragt

Um nachhaltige Entwicklungen auf den Weg zu bringen, sind Unterstützer aus vielen Bereichen gefragt. Das Finanzielle ist dabei natürlich immer ein wichtiger Faktor. Doch was genauso wichtig ist, ist zuallererst eine Aufmerksamkeit gegenüber den Bedarfsstrukturen. Warum legt man ehrenamtlich Arbeitenden Steine in den Weg? Fehlt es an einer allgemeinen Wertschätzung des Engagements oder an der Bereitschaft für Kooperationen seitens der Institutionen und Unternehmen?Dabei könnte es so einfach sein. Die kostenfreie oder -günstige Bereitstellung von Räumen für Treffen zum Beispiel oder auch Sach- oder Geldspenden für das Straßenfest. Schon allein durch dieses Entgegenkommen kann Gemeinwesenarbeit unterstützt und gestärkt werden.

Nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung

Die Frage ob Gemeinwesenarbeit nur in sogenannten Problemstadtteilen ihren Sinn und Zweck erfüllt, wird ganz klar von den anwesenden Sprecherinnen und Sprechernverneint. Ein Blick in die einzelnen Stadtteile Magdeburgs zeigt, dass bürgerschaftliches Engagement einen wesentlichen Beitrag an den positiven Entwicklungen hat. Doch um einen erreichten Status Quo zu erhalten ist eine kontinuierliche und professionelle Arbeit nötig. Jeder Stadtteil sollte deshalb seine GWA haben, denn wie die Magdeburger nur zu gut wissen, können sich Stadträume sehr schnell verändern. Die Menschen, die in strukturschwachen Gebieten leben, möchten jedoch nicht, dass diese von außen als solche wahrgenommen werden. Die Probleme, so lautet über die Jahre das Motto in Neu Olvenstedt, werden intern gelöst, nach außen gilt es ein positives Bild zu vermitteln. Denn die Identifikation der Bewohnerinnen und Bewohner mit ihrem Teil der Stadt ist groß – meckern ändert nichts, nur machen.

Zukunftsvisionen

Ein Leitmotiv der Bewerbung Magdeburgs zur Kulturhauptstadtbewerbung 2025 heißt „Verantwortung“. Die Entwicklung der Stadtteile, seien sie historisch, gegenwärtig oder zukünftig, sind wichtige Faktoren für dasBewerbungskonzept. Für die GWA gilt schon jetzt: Verantwortung übernehmen für die eigene Stadtentwicklung.Denn in einer Stadt, die mitgestaltet werden kann, leben die Menschen gerne und verlassen sie nicht, sind sich die Vertreterinnen und Vertreter einig. Dazu gehört aber auch, dass diese engagierten Bürgerinnen und Bürger als Akteure ernst genommen werden. Ein großes Defizit auf diesem Weg ist der Informationsfluss zwischen den städtischen Einrichtungen und die Transparenz von Entscheidungsprozessen bezüglich Stadtentwicklungsprojekten. Ein enger und kontinuierlicherAustausch ist an dieser Stelle wünschenswert. Denn Kultur und Soziales kann nicht allein von oben gesteuert, sondern muss von den Menschen selbst gelebt und entwickelt werden.

Um die Zukunft sinnvoll zu gestalten, braucht es bereits jetzt einen Austausch der Stadtteilakteure untereinander und Menschen jeden Alters, die nicht nur die Problemlagen vor ihrer eigenen Haustür erkennen, sondern auch die globalen und europäischen Veränderungen. Der Titel der Kulturhauptstadt kann auf jeden Fall seinen Beitrag dazu leisten.